Bakumatsu Portraits: Takashima Shūhan (1798 – 1866)

Takashima Shūhan (1798 – 1866)
Takashima Shūhan (高島 秋帆) war einer der frühen japanischen Reformer und versuchte bereits in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts Japan bereit zu machen für die kommenden politischen und militärischen Herausforderungen.

Er wurde 1798 in Nagasaki geboren und sein Vater bekleidete dort das erbliche Amt eines Machidoshiyori, eines Stadtrates. In Nagasaki gab es zwischen vier und neun Machidoshiyori welche eine sehr machtvolle Position innehatten, da sie z.B. auch den Import/Export-Handel beaufsichtigten. Die Stellung war vergleichbar mit der eines Hatamoto mit einem Einkommen von 5’000 koku.
Nagasaki (bzw. sein Hafen) hatte, wie andere wichtige Städte und Ländereien ebenfalls, eine Sonderstellung, indem die Stadt direkt dem Tokugawa-Bakufu unterstand und nicht dem Saga-han in dessen Hoheitsgebiet sie eigentlich lag. Allerdings war das Saga-han (zusammen mit dem Fukuoka-han) hauptsächlich für die Sicherheit und Befestigungen der Stadt verantwortlich.

Zwischenfall im Hafen von Nagasaki

Takashima war wohl ein aufgeweckter Junge, zeigte er sich doch äusserst schockiert von den gewalttätigen Forderungen, welche die britische Fregatte HMS Phaeton im Spätsommer 1808 an den Magistraten von Nagasaki stellte.

Der sogenannte „Zwischenfall im Hafen von Nagasaki“ begann damit, dass die HMS Phaeton auf der Jagd nach holländischen Handelsschiffen unter falscher holländischer Flagge in den Hafen von Nagasaki einfuhr und unter einem Vorwand mehrere niederländische Gesandten als Geisel nahm. Daraufhin wurde Wasser und Proviant verlangt und bei Nichterfüllung gedroht die Geiseln zu töten und die im Hafen stationierten japanischen und chinesichen Schiffe zu zerstören. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen wurden auch einigen Kanonensalven abgefeuert.

Blick auf Nagasaki im Jahre 1820 des Malers Kawahara Keiga (1786 – 1860?)

Die HMS Phaeton zählte mit einer Besatzung von rund 250 Mann und einer Bewaffnung mit 38 Kanonen unterschiedlicher Kaliber  zu den kleineren Kriegsschiffen der Royal Navy, aber bereits dieses einzelne Schiff offenbarte den erschreckend schlechten Zustand der japanischen Hafen- und Küstenbefestigungen.
Zuerst war da die Art und Weise wie sich Saga und Fukuoka die Verantwortung für die Verteidigung von Nagasaki teilten, was sich als ineffizient erwies. Der Nagasaki Bugyō, der Beauftragte des Shogunats, hatte zwar nominell  die Verantwortung für die Hafenverteidigung inne und das Kommando über die dort abbestellten Truppen von Saga und Fukuoka aber er besass keine eigenen Truppen. Zudem hatte er kaum nennenswerten Einfluss auf die beiden Han um im Notfall schnell und effizient handeln zu können. Auch waren statt den eigentlich vorgesehenen 1’000 Mann lediglich ca. 60 Mann im Dienst, da die Saison für holländische Schiffe eigentlich beendet war.
Natürlich kam auch der massive technologische Vorsprung der Engländer zum tragen. Die japanischen Geschützstellungen waren sowohl veraltet (meist über hundert Jahre alte Kanonen) wie auch zahlenmässig schlecht ausgestattet.

Wäre es also zu einer Schlacht gekommen, wären die Japaner nicht nur technologisch ins Hintertreffen geraten, sondern in einem wichtigen Heimathafen auch zahlenmässig den ca. 250 britischen Soldaten heillos unterlegen gewesen.

Zwar beorderte der Nagasaki Bugyō (Matsudaira Yasuhira) 8’000 Mann aus Saga und Fukuoka, allerdings dauerte es einige Tage bis diese in Nagasaki eintrafen.
Mittlerweile sah sich Matsudaira Yasuhira gezwungen, die Forderungen der Briten zu erfüllen und die HMS Phaeton mit Proviant auszustatten. Die Holländer wurden freigelassen und nur vier Tage nach seiner Ankunft verliess das britische Kriegsschiff Japan wieder.
Die unmittelbarste Auswirkung nach dem viertägigen „Skandal“ war der Seppuku von Matsudaira Yasuhira, der damit (und mit einem schriftlichen Lagebericht) die Verantwortung übernahm.

Das Bakufu bestrafte im Nachgang noch die beiden Han Saga und Fukuoka mit verschiedenen strafrechtlichen und administrativen Massnahmen und dem Thema „Küstenschutz“ wurde nun erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt in den folgenden Jahren.

Dieser detaillierte Bericht zum Vorfall ist deshalb wichtig, weil Takashima’s Denken und Handeln in späteren Jahren so sehr von diesem Erlebnis geprägt wurde.

1814 folgte er seinem Vater in die Stadtverwaltung von Nagasaki und begann sich intensiv mit europäischen Feuerwaffen zu befassen. Mit der Zeit nahm er Unterricht bei niederländischen Gesandten im Umgang mit diesen modernen Waffen wobei er nach und nach ein anerkannter Experte wurde. Nach 1825 begann er zudem, Gewehre, Mörser und Feldgeschütze auf eigene Kosten zu aquirieren.

1834 begründete er eine eigene Schule für den Umgang mit Feuerwaffen, die Takashima-Ryû.
Es gibt durchaus andere ältere Schulen des Hôjutsu (Schiesswesen) wie z.B. die Morishige-Ryû, Yô-Ryû u.a. Was aber die Takashima-Ryû aussergewöhnlich macht ist der fast ausschliessliche Gebrauch der holländischen Sprache für Befehle und das Exerzieren. Auch die Uniformen glichen eher europäischen Vorbildern.

Mir Sorge wurde in Japan beobachtet, wie die chinesische Qing-Dynastie im sogenannten „Ersten Opiumkrieg“ (1839 – 1842) durch Grossbritannien besiegt und im Nachgang gezwungen wurde, ungleiche Verträge zu unterzeichnen und namentlich den Opiumhandel zuzulassen.

1840 wurde Takashima zum Machidoshiyori befördert und gelangte unter dem Eindruck des Ersten Opiumkrieges mit Petitionen an das Tokugawa-Bakufu um die militärischen Kapazitäten Japans zu verstärken.
Im Sommer 1841 hielt Takashima in der Gegend des heutigen Itabashi-ku in Tôkyô ein Militärmanöver mit über hundert von ihm trainierten Männern ab und führte dem Bakufu die Schlagkraft moderner Feuerwaffen vor.

Kritiker wurden auf den Plan gerufen und verspotteten das exerzieren in Formation und lehnten den Gebrauch des Niederländischen ab. Das Bakufu gab Takashima allerdings den Auftrag weitere Männer zu unterrichten, zuerst aber nur direkte Tokugawa-Vasallen. Etwas später erhielt er die Erlaubnis, auch Schüler aus anderen Han anzunehmen.
Seine Gegner verschärften daraufhin ihre Vorwürfe, welche bald schon von Subversion und Hochverrat sprachen. Die Beschuldigungen führten dazu, dass Takashima zwischen 1846 und 1853 unter Hausarrest stand.

Als jedoch Commodore Perry im Sommer 1853 in Uraga anlegte und seine bekannten Forderungen stellte, stand Takashima wieder in der Gunst des Bakufu als Kenner westlicher Militärtechnik.

1856 wurde Takashima zum Feuerwaffen-Instruktor des Bakufu ernannt und hatte in dieser Funktion einen wesentlichen Einfluss auf die Verbreitung und den Einsatz moderner Wehrtechnik. Einige wichtige Schüler führten seine Arbeit später fort.

1864 stellte er ein Handbuch zusammen, worin seine Lehren für die Schiessausbildung zusammengefasst sind.

Am 14. Tag des ersten Monats des 2. Jahres der Keiô-Periode (28. Februar 1866) verstarb Takashima Shūhan im Alter von 69 Jahren.

Sein Adoptivsohn Takashima Shigenori (1846 – 1876) diente der neuen Meiji-Regierung als Oberst einer Artillerie-Brigade und dann unter Heeresminister Yamagata Aritomo als Stabschef der Garnison in Kumamoto.

Takashima-Ryû Hôjutsu gibt es nach wie vor, und es finden sich auch einige Videos im Netz, welche die Schule z.B. bei verschiedenen Matsuri (Festen) zeigt:


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